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Das kann in der Ostsee jederzeit wieder passieren

Das kann in der Ostsee jederzeit wieder passieren
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Kiel (Schleswig-Holstein) – Tausende Fische trieben an der Oberfläche der Ostsee. Sie schnappten nach Luft. Unzählige starben qualvoll. Plattfische, Dorsche, Meerforellen und Lachse wurden in der Kieler Förde ans Ufer gespült. Das Phänomen dauerte nur einen Tag. Doch eine Expertin warnt in BILD: „Es kann jederzeit wieder passieren!“

Diplom-Biologin Sina Clorius vom BUND Schleswig-Holstein erklärt, was am 19. September in der Ostsee passiert ist. Eine ungünstige Wetterlage machte die Ostsee in Schleswig-Holstein zur Todesfalle für Fische: Starker, ablandiger Wind drückte das sauerstoffreiche Oberflächenwasser vom Ufer weg.

So kam es zum Fischsterben in der Ostsee

Die Biologin zu BILD: „Das Problem war, dass dadurch sauerstoffarmes Wasser aus der Tiefe hochgedrückt wurde. Das nennt man Upwelling. Das war an diesem Samstag extrem. Es dauerte nur einen Tag. Aber es kann jederzeit wieder passieren.“ In der Ostsee sorgt Upwelling laut Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel „immer wieder für massenhaftes Fischsterben, weil die tieferen Wasserschichten im Sommer sauerstoffarm sind.“

BUND-Biologin Clorius: „Das Grundproblem ist, dass zu viele Nährstoffe in die Ostsee gelangen. Dadurch gibt es im Wasser Zonen fast ohne Sauerstoff, in denen Fische nicht überleben können. Das gilt auch für Seesterne, die manchmal massenhaft tot angespült werden.“ Und weiter: „Man sieht es meistens nicht, denkt, das ist doch ein schönes Meer, und kann gar nicht glauben, dass große Bereiche sauerstofffrei sind.“

Algen in der Ostsee

Die Nährstoffe kommen aus der Landwirtschaft und sammeln sich in der Ostsee an. „Über deutsche Flüsse gelangten im Jahr 2023 ca. 15.000 Tonnen Stickstoff und ca. 550 Tonnen Phosphor in die Ostsee“, berichtete das Umweltbundesamt. Stickstoffeinträge seien unverändert hoch. „Seit wenigen Jahren treten deswegen auch schlimme Algenblüten weit draußen auf, wie kürzlich vor Bornholm“, sagt Umweltschützerin Clorius. Das habe es vor ein paar Jahren noch nicht gegeben. Der Klimawandel verschärfe das Problem. „Die Algen verbrauchen mehr Sauerstoff. Und wenn sie absterben, wird wieder Sauerstoff verbraucht“, so die Expertin.

Eine schnelle Lösung könnten Gewässerrandstreifen von mindestens 10 Metern Breite an der Ostsee und ihren Zuflüssen sein, auf denen nicht gedüngt wird. „Außerdem muss der Düngereinsatz insgesamt reduziert werden, auch um unser Grundwasser zu schützen“, fordert Sina Clorius.

Menschen kamen mit Keschern

Das Drama in der Kieler Förde hatte einen weiteren schockierenden Aspekt, erzählt Biologie-Student Till (25) aus Kiel, der den Angelkanal „trillfishing“ betreibt: „Als der Wind auf Süd drehte, bin ich am Samstagmorgen sofort zum Germaniahafen mitten in der Innenstadt gelaufen. Dort sah ich, wie einige Leute die japsenden Fische aus dem Wasser zogen, totschlugen und einpackten.“

Der Student zu BILD: „Der Anblick war schockierend und unmoralisch.“ Zunächst machten in sozialen Medien Vorwürfe der Fischwilderei die Runde. Doch laut Polizei wird derzeit nicht wegen des Straftatbestands der Fischwilderei ermittelt. Auf BILD-Anfrage teilte die Wasserschutzpolizei mit, dass sie wegen einer Ordnungswidrigkeit ermittelt.

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