Berlin – Während am Samstag Zehntausende in Erfurt friedlich gegen den AfD-Bundesparteitag demonstrierten, sorgen vor allem der gewalttätige Angriff auf Reporter der Medienplattform „Apollo News“ und die Reaktion der Organisatoren für scharfe Kritik. Videos belegen die ganze Aggressivität: Es war eine minutenlange Jagd durch die Erfurter Innenstadt. Mehrere Dutzend Menschen beschimpfen die Reporter, bedrohen sie, schlagen auf sie ein, treten gar gegen den Kopf eines der Journalisten.
Am Tag darauf folgte von den Organisatoren des Protests gegen den AfD-Parteitag kein Wort der Entschuldigung. Im Gegenteil: Das Linksaußen-Bündnis „Widersetzen“ reagierte bei einer Pressekonferenz mit einer klaren Rechtfertigung für die Tat. Dann erklärte Noa Sander, einer der Protestteilnehmer: „Faschisten mit einem Presseausweis sind immer noch Faschisten.“
Grünen-Chefin Brantner bedauert „Einzelfall“
Alexander Throm (57, CDU), innenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, erklärt gegenüber BILD: „Wer Gewalt gegen Journalisten anwendet, der greift die Demokratie an. Denn Meinungsfreiheit und Pressefreiheit sind zentrale Säulen einer freiheitlichen Gesellschaft. Und das gilt unabhängig von linker oder rechter Gewalt.“
Auch Grünen-Chefin Franziska Brantner (46) verurteilt die Übergriffe: „Es ist ein Zeichen demokratischer Stärke, dass am Wochenende Zehntausende Menschen friedlich auf die Straße gegangen sind, um für Zusammenhalt in einer liberalen und freien Demokratie gegen Rechtsradikalismus zu demonstrieren. Wir lehnen jede Form von Gewalt auf solchen Demonstrationen ab. Wir bedauern diesen Einzelfall und wünschen gute Genesung. Der Schutz der Pressefreiheit ist ein unverhandelbares Grundrecht.“
Scharfe Kritik kommt zudem vom CDU-Abgeordneten Christoph Ploß (40) – er greift die Grünen und die Linkspartei frontal an: „Die linke Gewalt gegen Polizisten, Journalisten oder Andersdenkende ist scharf zu verurteilen! Die Grüne Partei und die Linkspartei sind auf dem linken Auge blind. Sie dürfen die ‚Antifa‘ nicht länger verharmlosen. Jeder Extremist ist Mist – egal ob von links oder von rechts! Deswegen ist es auch absolut richtig, dass die CDU-geführte Bundesregierung nicht nur den Rechtsextremismus, sondern auch den Linksextremismus ins Visier nimmt.“
Der Deutsche Journalisten-Verband fordert eine umfassende Aufarbeitung der Vorfälle. DJV-Sprecher Hendrik Zörner sagt: „Gewalttätige Übergriffe auf Journalistinnen und Journalisten gleich welchen Mediums sind immer zu verurteilen. Wir fordern eine umfassende Aufklärung der Vorfälle, die beleuchten muss, wie sich beide Seiten verhalten haben.“