Berlin – Fotos mit einem umstrittenen Palästina-Aktivisten, Aufnahmen mit Clan-Größe Issa Remmo und zuvor schon Ermittlungen wegen eines Fake-Bundestagsausweises: Der Berliner Linken-Politiker Ferat Kocak steht aktuell schwer in der Kritik. Doch statt über die Vorwürfe zu reden, schlagen manche Genossen lieber Alarm – und gehen zum Gegenangriff über: Nicht Kocaks Verhalten sei das Problem, sondern angeblich eine „rassistische Kampagne“.
Linke stellen Kocak als Opfer dar
Besonders deutlich wird das beim Kreisverband Stuttgart der Linken. Auf Facebook klagt der Verband über eine „rassistische Kampagne“ gegen Kocak und eine „rassistische Doppelmoral“. Der Abgeordnete werde als „Clankrimineller“ diffamiert, Menschen mit Migrationsgeschichte würden kriminalisiert und unter Generalverdacht gestellt. Botschaft des Posts: Nicht die Kontakte selbst, sondern die Kritik daran sei der eigentliche Skandal.
Wie Kocak sich rechtfertigte
Dabei steht Kocak nicht wegen seiner Herkunft in den Schlagzeilen. Diskutiert werden konkrete Vorgänge. Bei einer Wahlparty in Neukölln wurde der Linken-Politiker unter anderem mit dem propalästinensischen Aktivisten Ibrahim Ibrahim und Clan-Mitglied Issa Remmo fotografiert. Zudem sorgten veröffentlichte Kontakte ins Remmo-Umfeld für heftige Kritik. Kocak erklärte, er habe die Hintergründe der Personen nicht gekannt und sich von Gewaltverherrlichung distanziert.
Der politische Schaden war dennoch so groß, dass Kocak seine Funktionen vorerst ruhen lässt.
Innerhalb der Linken wächst die Unruhe
Wie sehen es andere Genossen in der Linkspartei? Während die Bundestags-Fraktionsspitze um Sören Pellmann und Heidi Reichinnek sich zunächst hinter Kocak stellte und erklärte, man glaube seinen Aussagen, gibt es auch harte Kritik. Die frühere Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau erklärte öffentlich, sie könne „nicht länger an Naivität glauben“.