Frankfurt am Main – Die Industrie bangt um ganze Standorte, doch die IG Metall zieht mit einer klaren Forderung in die neue Tarifrunde! Sie fordert fünf Prozent mehr Geld für die rund 3,7 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie. Doch damit nicht genug: In besonders erfolgreichen „Boom-Unternehmen“ sollen die Beschäftigten am Gewinn beteiligt werden. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags soll nach dem Willen der IG Metall lediglich zwölf Monate betragen.
„Wir gehen mit kämpferischem Realismus in die Verhandlungen“, sagte die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner (58) in Frankfurt am Main. „Statt Krisenrhetorik erwarten die Beschäftigten sichere Jobs, Ausgleich für gestiegene Preise und einen gerechten Anteil an den Gewinnen der Unternehmen.“
Besonders scharf geht Benner gegen mögliche Werksschließungen und unbezahlte Mehrarbeit vor. „Verlagerungsdrohungen als Ablenkungsmanöver von Management-Versagen akzeptieren wir nicht.“ Ein Angriff auf die 35-Stunden-Woche sei „nicht akzeptabel“.
Das sagen die Arbeitgeber
Die Arbeitgeber halten dagegen: Gesamtmetall warnt vor einer existenziellen Krise vieler Unternehmen. Gesamtmetall-Präsident Udo Dinglreiter (57) sagte: „Für zu viele unserer Unternehmen geht es um ihre Existenz. Jetzt muss es darum gehen, Kosten zu senken und den Standort zu retten.“
Der Tarifstreit könnte schnell eskalieren. Die ersten Gespräche auf regionaler Ebene sollen ab dem 7. Oktober beginnen. Die derzeitigen Tarifverträge laufen am 31. Oktober aus. Auf eine sogenannte Friedenspflicht nach Vertragsende wird verzichtet – Streiks sind also sofort möglich.
Unruhige Zeiten
Die Tarifrunde fällt in eine explosive Zeit. Vor allem die Autoindustrie kämpft mit massivem Stellenabbau und drohenden Werksschließungen. Bei Volkswagen stehen komplette Standorte unter Druck. Die IG Metall hatte bereits bei einem bundesweiten Aktionstag rund 175.000 Beschäftigte mobilisiert.
Die große Schwierigkeit: Die Branche steckt nicht überall gleichermaßen in der Krise. Während die Autoindustrie tief in der Krise ist, laufen die Geschäfte in Teilen der Elektroindustrie gut. Auch andere Bereiche des Fahrzeugbaus profitieren von steigenden Rüstungsausgaben des Staates. „Metall und Elektro sind mehr als Autoindustrie“, sagte Benner.
Besonders explosiv ist der Streit um die Arbeitszeit. Bei Mercedes-Benz gibt es Forderungen nach Mehrarbeit ohne Lohnausgleich. Mercedes-Aufsichtsratschef Martin Brudermüller (65) hatte eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche für dasselbe Gehalt angeregt. In tarifgebundenen Unternehmen der deutschen Autoindustrie gilt bislang die 35-Stunden-Woche als Standard.