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KI-Avatare fluten YouTube mit Politik-Videos: Warum das gefährlich ist

KI-Avatare fluten YouTube mit Politik-Videos: Warum das gefährlich ist
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Berlin – Auf Youtube erklären sie, warum Deutschland angeblich immer weiter abstürzt, sie kritisieren die Politik der Bundesregierung und analysieren Wahlen – auch jene in Sachsen-Anhalt. Doch die vermeintlichen Experten existieren nicht! Das Berliner Forschungszentrum CeMAS hat 47 deutschsprachige YouTube-Kanäle entdeckt, auf denen künstlich erzeugte Moderatoren, sogenannte KI-Avatare, über Politik sprechen und Falschbehauptungen verbreiten. Die Videos wurden bereits mehr als 7,5 Millionen Mal angesehen.

So trat laut CeMAS eine angebliche Geopolitik-Expertin namens „Julia Weber“ auf und erklärte, Deutschland gehe wirtschaftlich zugrunde, während China immer erfolgreicher werde. Andere „Experten“ analysierten die Kriege in der Ukraine und im Iran oder kommentierten die deutsche Politik. Dabei waren die Moderatoren laut den Forschern vollständig KI-generiert.

Auffällig: Dieselben Gesichter tauchen auf YouTube immer wieder auf. Mal spricht die Figur nur mit einer anderen Stimme, mal erscheint derselbe Avatar auf einem anderen Kanal. Auch Themen, Aufmachung und Veröffentlichungszeiten ähneln sich. CeMAS-Forscherin Lea Frühwirth zufolge sieht vieles danach aus, als stammten die Kanäle aus derselben Quelle.

Spur führt möglicherweise nach Russland

Wer hinter den Fake-Kanälen steckt, ist bislang unklar. Ein versehentlich veröffentlichtes Produktionsvideo zeigte nach Angaben von CeMAS kyrillische Benutzeroberflächen und das KI-Programm HeyGen. Das deutet auf russischsprachige Beteiligte hin, ist aber kein Beweis für eine russische Operation.

Viele der Videos waren sogar als KI-Inhalte gekennzeichnet, erreichten aber trotzdem millionenfach Zuschauer. Nach Angaben von CeMAS wurde in den Kommentarspalten immer wieder darüber diskutiert, ob die Moderatoren echt oder künstlich seien. Viele Zuschauer schien das kaum zu stören.

Das Problem sind nicht nur Fake News

Die CeMAS-Forscher sind nicht die Ersten, die auf das Problem aufmerksam machen. Bereits Anfang 2026 stieß das Rechercheportal CORRECTIV auf mutmaßlich künstliche Politik-Experten, die mit fragwürdigen und teils falschen Behauptungen Reichweite erzielten. So verbreitete der Kanal „Michael Goldmann“ die Falschmeldung, der AfD-Politiker Ulrich Siegmund sei angegriffen worden und liege im Krankenhaus. Ob Verbindungen zu den nun von CeMAS untersuchten 47 Kanälen bestehen, ist bislang offen.

Die eigentliche Gefahr sehen die Forscher nicht in Falschmeldungen. Das größere Problem: Zahlreiche erfundene Figuren könnten den Eindruck vermitteln, viele unabhängige Experten seien derselben Meinung. Genau dieser vorgetäuschte Gleichklang macht solche Netzwerke schwer zu durchschauen.

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