Washington – Es sollte die donnernde Antwort von Donald Trump (80) in seinem Krieg mit den US-Medien werden: Trump TV! Das Drama davor: Zuerst hatte der US-Präsident drei Medien – CNN, MS NOW und „Politico“ (gehört wie BILD zu Axel Springer) – aus dem Weißen Haus verbannt. Dann erklärten sich aber weitere TV-Sender solidarisch und boykottierten die Live-Berichterstattung rund um das Staatsoberhaupt. Trump brachte im Gegenzug seinen eigenen Sender an den Start.
Montag um 19 Uhr Ortszeit ging Trump TV mit dem Slogan „Der essenzielle Kanal“ auf der Website des Weißen Hauses und YouTube live. Was folgte, war ein wahres Quoten-Desaster. Auf YouTube sahen gerade einmal 8000 Menschen zu, bereits 90 Minuten später hatte sich die überschaubare Zuschauerschaft halbiert. Gegen 21 Uhr waren es nur noch 3000 Trump-Fans. Dienstagabend waren zur Hauptsendezeit rund 1300 Live-Zuschauer dabei. Immerhin hatte der YouTube-Kanal bis dahin bereits 3,2 Millionen Abonnenten gesammelt. Die Kommentar-Funktion blieb jedoch ausgeschaltet.
Alte Reden und Live-Streams von der UN-Woche
Zu sehen sind bisher größtenteils ältere Reden des Präsidenten, seine Vereidigungsfeier am Kapitol im Januar 2025, die große Boxshow vor dem Weißen Haus und patriotische Dokus. Aktueller wirken zuletzt seine Rede vor der UN-Vollversammlung, die Unterzeichnung des Grönland-Abkommens mit Dänemark, das Treffen mit dem neuen britischen Premier Andy Burnham (56) sowie weitere Events während der „UN-Woche“ in New York.
Direkter Draht oder Propaganda-Sender?
Das Weiße Haus bewirbt den YouTube-Kanal als 24/7-Livestream mit den größten Momenten Trumps und seiner Regierung. Einige Anhänger des Präsidenten begrüßten den nun direkten und ungefilterten Draht zu den Bürgern. Kritiker jedoch verulken Trumps Antwort auf die aus seiner Sicht überkritischen US-Großmedien als „Staats-TV“ oder Propaganda-Sender nach dem Vorbild Nordkoreas, Chinas oder Russlands.
Erste Gerichtsanhörung im Medien-Prozess
In der von CNN, MS NOW und „Politico“ angestrengten Klage gegen den Rauswurf aus dem Weißen Haus findet am Mittwoch eine erste Anhörung statt. Die drei Medien berufen sich dabei auf die im Ersten Verfassungszusatz geschützte Pressefreiheit und fordern eine einstweilige Verfügung gegen den Ausschluss. Trump machte bereits erste Andeutungen, dass die verbannten Medien „wahrscheinlich“ wieder zugelassen würden, falls das Gericht gegen seine Verbannung urteilt.