Bundeskanzler Friedrich Merz hat bei der Verleihung des Deutschen Schulpreises in Berlin die Arbeit von Lehrkräften gewürdigt. „Lehrerinnen und Lehrer sind die wichtigste Berufsgruppe unseres Landes“, sagte der CDU-Politiker. Er spreche als Vater und Großvater, so der 70-Jährige: „Wir vertrauen Ihnen das Wertvollste an, was wir haben. Das sind unsere Kinder.“
Nach der Veröffentlichung der für Deutschland schwachen Pisa-Ergebnisse betonte Merz die Wichtigkeit von Bildung. Für die Bundesregierung und ihn als Bundeskanzler sei es „eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Aufgabe unserer Gesellschaft, dafür zu sorgen, dass Kinder, Jugendliche, junge Menschen in diesem Land eine gute Ausbildung bekommen und vorbereitet werden für den Weg ihres Lebens“.
Merz ging auch direkt auf die schlechten Ergebnisse ein. Die Studie habe erneut „die großen Defizite in unserem Bildungssystem dokumentiert“, sagte Merz. „Aber dies ist kein Grund zu verzweifeln, dies ist kein Grund aufzugeben. Dies ist ein Grund, jetzt noch mehr zu tun dafür, dass unsere Bildung besser wird in Deutschland.“
Merz erzählt, warum er in die Politik ging
Präsentiert wurde die Veranstaltung im TV-Studio Berlin-Adlershof von Ex-„Tagesschau“-Sprecherin Linda Zervakis, die den Bundeskanzler noch für ein kurzes Interview beiseite nahm. Sie fragte ihn unter anderem, ob er, Merz, nun nicht wieder Lust bekommen habe, noch einmal in die Schule zu gehen.
Der Kanzler bekannte daraufhin, dass er als Kind „selten Lust“ auf Schule hatte, aber durch die Preisverleihung motiviert sei, wieder mehr in die Schulen zu gehen. Er rief zudem dazu auf, dass Schulen regelmäßig Richter der örtlichen Gerichte einladen sollten, „um den Schülerinnen und Schülern zu erklären, was eigentlich unsere Rechtsordnung ausmacht“. Diejenigen, die Recht sprächen, verteidigten das Wertvollste in der Demokratie, die Freiheit.
Zur Frage, warum er in die Politik gegangen sei, sagte Merz an die Schüler gerichtet: „Ich mache das, damit Ihr die gleichen Chancen habt in einem offenen, freiheitlichen, liberalen Land zu leben, wie meine Generation es gehabt hat“. Es gehe darum, in einem offenen Land zu leben, „in einer Gesellschaft, die mit sich selbst im Reinen ist und die den jungen Menschen alle Chancen gibt, die die jungen Menschen verdienen“.
Warum der Kanzler zum Taschentuch griff
Zum Schluss kam Merz auch noch die Aufgabe zu, den Hauptgewinner zu verkünden: Die Bertha-von-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf in Hessen erhielt in diesem Jahr den mit 100.000 Euro dotierten Hauptpreis. Im daraufhin ausbrechenden Jubel & Trubel – die Preisträger, darunter Schüler und Lehrer, stürmten die Bühne, alle fielen sich in die Arme, sogar der Kanzler wurde mehrfach umarmt – wurde der CDU-Politiker sichtlich mitgerissen von der guten Stimmung:
Friedrich Merz kamen offenbar die Tränen, er griff zum Taschentuch und nahm die Brille ab. „Selbst der Bundeskanzler hat Tränen in den Augen. Was ist hier los?“, kommentierte Moderatorin Zervakis gut gelaunt. Merz versprach zudem, der Schule auch noch einen persönlichen Besuch abzustatten.
Die Siegerschule überzeugte die Jury nach eigenen Angaben mit ihrer kontinuierlichen Verbesserung der Unterrichtsqualität. Dabei setze sie auf eine Struktur, die an ein Unternehmen erinnere. Den Unterricht entwickelten eigene Abteilungen gezielt weiter. Grundlage dafür seien systematisch ausgewertete Daten. Zusätzlich gebe es mit sogenannten Hausleitungen feste Bezugsmenschen für die mehr als 2000 Schülerinnen und Schüler.
Niemand verlässt die Bertha-von-Suttner-Schule ohne Perspektive
„Die Bertha-von-Suttner-Schule beweist, wie gut ein durchdachtes Konzept und eine persönliche Begleitung zusammenwirken“, erklärte Jurysprecher Thorsten Bohl. Vor 20 Jahren habe die Schule mit der Rettung der eigenen Oberstufe begonnen. Heute sei die Initiative ein bundesweites Vorbild für Chancengerechtigkeit.
Obwohl nur 15 Prozent der Kinder eine Empfehlung für das Gymnasium mitbrächten, erreichten zwei Drittel später das Abitur. Niemand verlasse die Bertha-von-Suttner-Schule ohne Perspektive, erklärte Bohl. „Das ist eine wichtige Botschaft für die gesamte Schullandschaft.“
Fünf weitere Preise in Höhe von je 30.000 Euro erhielten eine Berufsschule in Baden-Württemberg, eine Fachoberschule in Bayern, ein Gymnasium in Hessen, eine Oberschule in Niedersachsen und eine Grundschule in Thüringen.
Der Deutsche Schulpreis wird seit 2006 für eine besonders gute Schulqualität vergeben. Ausrichter sind die Robert-Bosch-Stiftung und die Heidehof-Stiftung.