Wolfsburg – Während der Aufsichtsrat von Volkswagen am Donnerstag über das Schicksal des Autobauers berät, protestieren bundesweit Tausende Beschäftigte an fast 20 Standorten gegen die erwarteten Sparpläne. Nach BILD-Informationen will Vorstandschef Oliver Blume (58) bis zu 120.000 Stellen abbauen. Das wären 70.000 mehr als bislang vereinbart. Zudem stehen vier deutsche Werke auf der Kippe.
Jetzt hat sich Blume zu dem geplanten Konzernumbau geäußert. Gleich zu Beginn einer fast vierminütigen Videobotschaft betont er: „Deutschland ist unsere Heimat und bleibt für den VW-Konzern zentraler Industriestandort.“ Er hebt die Vorteile hervor: starke industrielle Basis, erstklassige Ingenieurskunst, enge Verzahnung von Forschung, Entwicklung und Produktion. „Im globalen Wettbewerb reicht das aber nicht mehr aus“, betont der Top-Manager.
„Höhere Kosten können wir nur durch mehr Produktivität, Effizienz und Innovationskraft ausgleichen“, stellt er fest. „Dafür müssen wir uns in der gleichen Geschwindigkeit verändern wie die Welt um uns herum. Wir machen den Volkswagen-Konzern schneller, robuster und wettbewerbsfähiger.“ Allerdings brauche es dafür auch „bessere Rahmenbedingungen im internationalen Vergleich“, darunter „angemessene Kostenstrukturen, wettbewerbsfähige Energiepreise, eine fokussierte Technologielandschaft und eine verlässliche Förderpolitik“.
Vier deutsche Werke auf der Kippe
Details oder konkrete Zahlen zum Konzernumbau nannte Blume nicht. Aber BILD weiß: Beim Jobabbau („Zielbild 2030“) setzt VW vorrangig auf freiwillige Lösungen wie Altersteilzeit oder Freiwilligenprogramme. Aber auch bestehende Verträge (Job-Garantien) sollen überprüft werden. Vier deutsche Werke stehen unter Druck. Der Konzern kann nicht mehr garantieren, dass nach dem Auslaufen aktueller Modelle neue Fahrzeuge bei VW in Emden und Zwickau (beide 2031), Hannover (2032) und bei Audi in Neckarsulm (2034) gebaut werden.
VW begründet das mit Überkapazitäten von mehr als 500.000 Fahrzeugen in Europa und deutlich höheren Fabrikkosten deutscher Standorte. Die Lage des Konzerns sei „existenzbedrohend“. Daher will sich der Konzern bis 2030 auch finanziell komplett neu aufstellen. Ziel sind 9 Prozent operative Umsatzrendite, 30,6 Milliarden Euro operatives Ergebnis und eine Reduzierung von Entwicklungskosten um rund 50 Milliarden Euro.
Weniger Modelle, weniger Auswahl
Für Kunden bedeutet der Plan: Das globale Modellangebot außerhalb Chinas soll bis 2035 um rund 50 Prozent schrumpfen. Die Variantenvielfalt – also Motoren, Ausstattungen und technische Versionen – soll um bis zu 75 Prozent reduziert werden.
Das Fazit von VW-Chef Blume: „Die nächsten Jahre werden entscheiden, wer künftig in der Automobilindustrie eine führende Rolle spielen wird. Wir als Volkswagen-Konzern haben es selbst in der Hand.“