Helfer in der Not? Bundespräsident a.D. Joachim Gauck (86) hat Friedrich Merz (70) bei Markus Lanz (57) verteidigt und dabei manchem Kanzler-Kritiker den Spiegel vorgehalten. „Erst mal muss ich ihn ein bisschen in Schutz nehmen“, erklärte der große Weise der deutschen Politik, denn Merz „wurde ja schon runtergeschrieben, da hatte er noch gar nicht angefangen zu regieren.“
„Und dann“, so Gauck mit einer ungewöhnlichen Bezeichnung für den Kanzlerjob, „muss man ihm zugestehen: in der Anfangszeit eines neuen Gewerbes macht man möglicherweise ein paar kommunikative Fehler. Er war jahrelang raus aus der Politik und hat nicht jeden Tag mit der Öffentlichkeit kommuniziert, und dann sind manche Wortschöpfungen oder manche Halbsätze vielleicht nur zweite oder dritte Wahl. Sowas passiert.“
„Es ist ja erkennbar, dass er ein Ziel hat“
Gaucks deutliche Absage an das übliche Merz-Bashing: „Tatsächlich müssen wir doch nicht von diesem Mann befürchten, dass er uns irgendwie in die Irre führt, sondern : Er will, dass dieses Land wieder nach vorne kommt.“ Deshalb solle man „nicht jeden seiner nicht völlig gelungenen kommunikativen Dinge zu einem Fanal des Unvermögens erheben“, denn das sei „natürlich Blödsinn“.
Prompt spielte Lanz darauf einen Auszug aus der Rede des Kanzlers beim Parteitag der NRW-CDU ein, in dem Merz ausrief: „Kulturpessimisten, Untergangspropheten, Nöler, Nörgler, Empörte, Berufskritiker, wegtreten! Wir gehen mit Zuversicht und Optimismus an die Arbeit, und wir bringen unser Land wieder auf Kurs.“ Gaucks Kommentar jetzt dazu: „Wenn er das seinen Parteifreunden sagt, ist das völlig o.k. Wenn er damit meint, alle die Journalisten, die ihn kritisieren, wegtreten, dann wäre das ein schwerer Fehler. Das hat er aber nicht gesagt, dazu ist er zu demokratisch. Das dürfen wir ihm nicht unterstellen.“
„Im Übrigen“, so Gaucks Kritik an manchen Kritikern, „hat er natürlich dort Recht, wo er dem Land bescheinigt, dass der Deutsche sich eigentlich wohlfühlt, wenn er sich unwohl fühlt. Besonders wenn man intelligent erscheinen möchte. Dann darf man doch nicht glücklich sein, oder dankbar! Sondern dann musst du zeigen, wie fähig du bist, alles zu durchschauen. Und würde es nach dir gehen, wäre alles total besser, aber leider ist es ganz furchtbar schlimm.“
Wer folgt auf Steinmeier? „Es könnte mal eine katholische Intellektuelle sein“
Zum Schluss machte der Bundespräsident a.D. noch eine Ansage zur Suche nach einem Bundespräsidenten in spe: „Man soll es nicht am Geschlecht festmachen, aber wie lange hatten wir jetzt Männer? Und wie viele Frauen gibt es, die hohe Verdienste haben um das Land? Es könnte mal eine katholische Intellektuelle sein.“