Hauptnachrichten

Prozess um Waffen-Mafia: Zur Bestellung sollen sie Handgranaten gratis angeboten haben

Prozess um Waffen-Mafia: Zur Bestellung sollen sie Handgranaten gratis angeboten haben
TTS-Player überspringenArtikel weiterlesen

Wuppertal – Als Konstantin I. (60) nach acht Monaten U-Haft den Gerichtssaal betritt, umarmt er seinen mutmaßlichen Komplizen Ilhan A. (38) innig. Ein absurder Augenblick, in dem die Angeklagten verraten, wie nah sie sich stehen. Monatelang sollen die Männer gemeinsam mit Yunus K. Kriegswaffen aus einem Keller-Labyrinth in die Unterwelt verkauft haben.

Allein 18 Minuten braucht Oberstaatsanwalt Daniel Müller, um nur die schussfähigen Kriegswaffen beim Verlesen der Anklageschrift aufzulisten. Bei einer spektakulären Razzia in Remscheid mit Spezialeinheiten am 26. Oktober 2025 hatte die Polizei im Keller von Konstantin I., unter einem Mehrfamilienhaus in der Innenstadt, Hunderte davon entdeckt. Geladene MGs, Sturmgewehre, Maschinenpistolen, Handgranaten, Sprengstoff und – so wird es die Staatsanwaltschaft später verlesen – rund 100.000 Schuss scharfe Munition.

Dazu kamen viele weitere, nur unvollständig unbrauchbar gemachte Waffen. In einer geheimen Werkstatt soll I. diese entmilitarisierten Waffen wieder scharf gemacht haben. Den versteckten Raum fand die Polizei damals erst Tage nach der Razzia hinter einer getarnten Tür. Der Autoschrauber aus dem Hinterhof war ausgerüstet wie für einen Krieg. Jetzt sitzt er mit seinem Komplizen Yunus K. (35) wegen Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Waffengesetz auf der Anklagebank in Wuppertal.

Laut Anklage verkaufte Konstantin I. Kriegswaffen samt Munition aus seinem Vorrat erst an Ilhan A. Der Türke gab Maschinenpistolen und Revolver schließlich über Mittelsmänner wie den Mitangeklagten Yunus K. mit Aufschlag an die Unterwelt weiter. Und – ohne es zu ahnen – auch an verdeckt arbeitende Ermittler. So kam die Polizei der Waffen-Mafia auf die Spur. Während sich die Männer sicher fühlten, las die Polizei Chatnachrichten mit, hörte Telefongespräche ab. Jede Übergabe wurde von den Fahndern penibel dokumentiert.

1800 Euro in bar bezahlte A. in der Autowerkstatt von I. beispielsweise für eine Skorpion-MP mit fünfzig Schuss Munition und abgeschliffener Seriennummer. Der Gewinn nach dem weiteren Verkauf an den Endkunden betrug dann meist nur wenige Hundert Euro pro Kopf.

Unfassbar: Ihren Kunden sollen die Waffenhändler sogar Handgranaten als Geschenk angeboten haben. Jetzt wird außerdem klar: Die Staatsanwaltschaft soll Beweise haben, dass der Handel der Bande wesentlich länger lief als bislang angenommen.

Vor Gericht schwiegen die Angeklagten beim Prozessauftakt am Montag. Stattdessen verhandelten ihre Verteidiger hinter geschlossenen Türen mit dem Gericht über einen möglichen Deal. Für ein vollumfängliches Geständnis stellt der Richter Konstantin I. eine Freiheitsstrafe zwischen sieben und acht Jahren in Aussicht. Ilhan A. müsste zwischen 3 Jahren und drei Monaten und vier Jahren ins Gefängnis, Yunus K. zwischen zwei und drei Jahren. Der Prozess wird fortgesetzt.

Vielleicht verpasst