Für viele ist er schon jetzt der GOAT, der Größte aller Zeiten! Lionel Messi (39) nahm an sechs Weltmeisterschaften (2006, 2010, 2014, 2018, 2022, 2026) teil. Ich, der BILD-Reporter, war bei allen dabei. Allen voran bei den Duellen gegen Deutschland! Doch gegen Kap Verde erlebte ich mein verrücktestes Messi-Spiel!
Mit seinen damals 18 Jahren reiste Messi erstmals zu unserer Heim-WM 2006. Das schüchterne Ausnahmetalent des FC Barcelona wurde in Deutschland dank seines Treffers im zweiten Gruppenspiel zum jüngsten WM-Spieler und -Torschützen der argentinischen Geschichte. Im Viertelfinale gegen die DFB-Mannschaft schmorte er dennoch 120 Minuten auf der Bank, weil Nationaltrainer José Pékerman defensiv wechselte. Glück für Deutschland, das im Elfmeterschießen siegte.
Wieder Deutschland, wieder Viertelfinale bei der WM 2010. Obwohl Messi unter Nationaltrainer Diego Maradona als absolut zentrale Figur und Fixpunkt des argentinischen Spiels agierte, blieb Messi im gesamten Turnierverlauf ohne Tor. Im erneuten Duell gegen Deutschland schaltete ihn das Mittelfeld um Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira komplett aus. Mit 4:0 flogen Messi und Maradona gedemütigt hochkant aus dem Turnier. Messi bekam die BILD-Note 5.
Die dritte und heißeste Auflage des Dauer-Duells Deutschland gegen Argentinien sah ich im WM-Finale 2014 in Rio. Messi hatte bei diesem Turnier schon viermal getroffen, aber nicht einmal in einer K.o-Runde. So blieb es auch im Endspiel. Mario Götze zeigte nach seiner Einwechslung der Welt, dass er zumindest an diesem Tag besser war als Messi. Deutschland wurde Weltmeister, Messi blieb sein DFB-Trauma erhalten.
Bei der WM 2018 kam Messi der deutschen Mannschaft nur räumlich nahe. Im ersten Gruppenspiel traf Messi im Moskauer Spartak-Stadion, das rund 45 Kilometer vom deutschen Horror-Quartier „Watutinki“ entfernt lag, auf WM-Neuling Island. In der 64. Minute verschoss er den entscheidenden Elfmeter, die Partie endete 1:1. Angstgegner Deutschland verabschiedete sich zwar schon in der Gruppenphase, doch für Messi war dennoch schon im Achtelfinale Schluss. Mit Kylian Mbappé (27) schoss ihn sein heutiger Rivale um die Spitzenposition in der ewigen WM-Torjägerliste aus dem Turnier. Messi bereitete zwar zwei Treffer vor, Mbappé erzielte einen Doppelpack. Frankreich gewann mit 4:3, Messi fuhr mit nur einem Turnier-Treffer erneut titellos nach Hause.
Bei der WM 2022 in Katar sah ich Messi im „Stadium 974“, der aus Schiffscontainern erbauten Arena. Im dritten und entscheidenden Gruppenspiel gegen Polen (das Auftaktspiel hatte Argentinien überraschend 1:2 gegen Saudi-Arabien verloren) war Messi der überragende Mann auf dem Platz. Er verschoss zwar erneut einen Elfmeter, führte sein Team aber beim 2:0 in die K.o.-Runde. Nachdem er nur einmal in der Vorrunde getroffen hatte, stellte er anschließend einen historischen Rekord auf.
Messi erzielte als erster Spieler der WM-Geschichte in jedem einzelnen K.-o.-Spiel einer Endrunde mindestens ein Tor. In der Revanche gegen Frankreich im Finale traf Messi sogar doppelt. Einmal per Elfmeter in der regulären Spielzeit, dann in der Verlängerung zum vorentscheidenden 3:2. Argentinien gewann am Ende 4:2, Messi war endlich Weltmeister.
Mit Inter Miami hatte ich Messi bereits beim MLS-Finale im vergangenen Dezember bei seinem Heim-Finale gesehen, als er Thomas Müller (Vancouver Whitecaps) den Titel entriss. Nun durfte ich den GOAT im Sechzehntelfinale in Miami gegen Kap Verde spielen sehen. Ich erlebte seine feine Ballbehandlung beim 1:0, seinen 20. Jubiläums-Treffer bei einer WM. Es war sein siebtes Turnier-Tor, und damit bereits eins mehr als bei der gesamten WM 2022. Alles eigentlich wie erwartet – aber dann wurde es verrückt.
Die Nationalspieler von Kap Verde (530.000 Einwohner) machen das Spiel ihres Lebens – zwingen mit dem 1:1 Messi in die Verlängerung. Doch der GOAT lässt das nicht auf sich sitzen. Zu Beginn der Verlängerung (92. Minute) tritt Messi einen Eckball von der rechten Seite. Alexis Mac Allister verlängerte den Ball per Kopf an den langen Pfosten, wo der aufgerückte Innenverteidiger Lisandro Martínez lauert und den Ball wuchtig im Tor von Kap Verdes Torwart Vozinha versenkt. Doch Kap Verde gleicht nochmals aus, diesmal mit einem regelrechten Traumtor aus rund 20 Metern. Und Messi? Wieder schnappt er sich in der 111. Minute den Ball, schlägt erneut eine Ecke. Diesmal findet er in Cristian Romero den Abnehmer. Die Fifa wertete den Treffer letztlich als Eigentor von Kap Verdes Verteidiger Diney Borges, da dieser den Ball unglücklich abfälschte, – und klaute Messi so den Assist.
Messi dürfte es egal gewesen sein. Wie ernst Messi den Gegner nimmt, zeigt, dass er in der 123. Minute noch einmal an der Außenlinie mit dem Ball zum Sprint ansetzt, um Zeit von der Uhr zu nehmen. Dann Abpfiff, Messi reißt die Arme hoch und feiert den Sieg gegen den Fußball-Zwerg! Der Argentinier wird sein 30. WM-Spiel im Achtelfinale gegen Ägypten bekommen. Und darf sein Duell gegen Mbappé fortsetzen.
Aktuell liegt Messi mit zwei Toren vor dem 12 Jahre jüngeren Mbappé, der auch schon 18 Treffer in der ewigen WM-Torschützenliste aufweist. Dem Franzosen bleiben noch genug Turniere, um Messi zu übertrumpfen. Ob Mbappé seinen argentinischen Konkurrenten insgesamt bei Weltmeisterschaften ausstechen kann, muss er erstmal zeigen.
Messi ist der einzige Spieler der WM-Geschichte, der zweimal mit dem Goldenen Ball als bester Spieler des Turniers (2014 und 2022) ausgezeichnet wurde. Zudem hält er den Rekord für die meisten Torbeteiligungen (28) sowie WM-Einsätzen (30).
Im alten Jahrtausend kommt kein Spieler am großen Pelé vorbei, der als einziger Spieler drei Weltmeister-Titel (1958, 1962 und 1970) gewinnen konnte. Messi gebührt dafür die Krone des größten WM-Spielers dieses Jahrtausends!
Ich darf mich glücklich schätzen, den WM-GOAT der Neuzeit auf seinem Weg begleitet haben zu dürfen, der nun weiter gehen wird.